Was tun, wenn der Hund wählerisch frisst? 5 Futterstrategien, mit denen er wieder Freude am Fressen hat

Jedes Mal, wenn es um das Thema „wählerische Hunde“ geht, höre ich in Hundegruppen oder beim Gassigehen ähnliche Klagen: „Mein.

Jedes Mal, wenn es um das Thema „wählerische Hunde“ geht, höre ich in Hundegruppen oder beim Gassigehen ähnliche Klagen: „Mein Hund frisst nicht mal mehr Rindfleisch!“, „Ich habe alle Sorten ausprobiert, er schnuppert nur und geht weg!“, „Ich habe Hähnchen gekocht, er frisst zwei Bissen und will nicht mehr – ich bin kurz vorm Durchdrehen!“ Solche Sorgen scheinen vielen Hundebesitzern bekannt vorzukommen.

Ganz ehrlich, ich habe das auch schon durchgemacht. Mein Hund hat eine Zeit lang regelrecht gestreikt – ich dachte, er wäre krank, also habe ich ihn durchchecken lassen. Blutwerte, Zähne, Verdauung – alles top. Das Problem war: Er hatte einfach keine Lust zu fressen.

Wählerisches Fressverhalten bei Hunden ist ein vielschichtiges Thema. Es kann mit Fütterungsgewohnheiten, dem Umfeld, der Art des Futters oder sogar mit psychischem Stress zusammenhängen. Besonders dann, wenn wir die Ernährung unserer Hunde zu sehr vermenschlichen und ihnen zu viele Wahlmöglichkeiten geben, machen wir sie unbewusst zu kleinen Gourmets, die nur noch das Beste vom Besten wollen.

1. Gesundheitscheck: Wählerisches Fressen ist nicht immer „Marotte“, sondern manchmal ein Alarmsignal

Bevor ich irgendetwas an der Fütterung ändere, beobachte ich meinen Hund ganz genau: Ist er lebhaft? Wie sieht der Stuhlgang aus? Gibt es Mundgeruch? Ist das Zahnfleisch gerötet oder gibt es Anzeichen für Erbrechen oder Durchfall?

Einmal hatte Luna plötzlich aufgehört, Trockenfutter zu fressen. Ich dachte erst, sie stellt sich wieder an, aber beim Tierarzt stellte sich heraus, dass ein leicht entzündeter Backenzahn ihr Schmerzen beim Kauen verursachte. Das hat mir gezeigt, dass Futterverweigerung oft ein Signal dafür ist, dass etwas nicht stimmt.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Hund:

• länger als 24 Stunden nichts frisst
• apathisch oder ungewöhnlich schläfrig wirkt
• nach dem Fressen erbricht oder Durchfall bekommt
• auffälligen Mundgeruch oder Speichelfluss zeigt
• plötzlich an Gewicht verliert

Nur wenn körperlich alles in Ordnung ist, kann man gezielt am Fressverhalten arbeiten.

2. Wie wir selbst „wählerische Esser“ erziehen: Die fünf häufigsten Fehler beim Füttern

Oft entstehen Fressprobleme durch unser eigenes Verhalten. Hier sind fünf Fehler, die ich selbst gemacht habe:

1. Zu häufige Futterwechsel

Jeden Tag eine neue Sorte – heute Hühnchen, morgen Lamm, übermorgen Wild. Ich wollte Luna eine abwechslungsreiche Ernährung bieten, aber tatsächlich habe ich sie damit nur verwirrt. Sie wartete quasi auf das „nächstbessere“ Futter und begann, Mahlzeiten zu verweigern.

2. Zu viele menschliche Lebensmittel

Käse, Joghurt, Eier, Lachs – wenn man das alles über das Trockenfutter gibt, sortiert der Hund irgendwann nur noch das Beste heraus. Außerdem gewöhnt er sich an den intensiveren Geschmack und lehnt das „einfache“ Futter später ab.

3. Fressnapf zu schnell wegnehmen

Manche Ratgeber empfehlen, das Futter nach zehn Minuten wegzunehmen. Das kann aber Druck aufbauen und zu noch mehr Ablehnung führen, wenn der Hund sowieso schon mäkelig ist.

4. Zu viele Leckerlis tagsüber

Ein Hund, der ständig kleine Snacks bekommt, hat zum Fressen keine Lust mehr. Ich musste lernen, dass Leckerlis auch Kalorien enthalten und in die Gesamternährung eingerechnet werden müssen.

5. Falsche emotionale Rückmeldungen

Lob wie „Brav, du frisst ja!“ klingt zwar nett, aber Hunde merken schnell, dass sie Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie zögern oder das Futter verweigern. Manche lernen sogar, dass sie durch Nicht-Fressen hochwertigere Leckerbissen einfordern können.

Als mir diese Fehler bewusst wurden, habe ich meine Fütterungsstrategie komplett überdacht – mit Erfolg.

3. Fressen neu inszenieren: Mit kleinen Ritualen und Spielmomenten den Spaß zurückbringen

Viele Hunde finden das Fressen langweilig. Besonders bei Trockenfutter fehlt der Reiz. Mit ein paar kleinen Tricks habe ich daraus eine spannende Aktivität gemacht:

1. Futterspielzeuge verwenden

Leckerlis in Intelligenzspielzeug oder Futterbälle zu verstecken, fordert den Hund geistig und körperlich. Das „Erarbeiten“ des Futters steigert die Motivation enorm.

2. Mahlzeiten aufteilen

Eine Portion in drei bis vier Mini-Mahlzeiten aufzuteilen, die im Abstand von zehn Minuten serviert werden, sorgt für Abwechslung und verhindert Sättigung durch Überreizung.

3. Bewegung vor dem Fressen

Ein kleiner Spaziergang oder ein paar Tricks vor dem Fressen kurbeln den Appetit an. Vor allem bei Luna hat das super funktioniert.

4. Ruhiger Fressplatz

Ein ablenkungsfreier Ort – keine anderen Tiere, keine Kinder, keine Zuschauer. Hunde fressen instinktiv lieber ungestört.

5. Feste Rituale einführen

Feste Futterzeiten, der gleiche Napf, ein bestimmtes Signal („Jetzt gibt’s Futter!“) – solche Rituale helfen dem Hund, sich mental auf die Mahlzeit einzustellen.

4. Fünf erprobte Futterkombinationen, die das Interesse zurückbringen

Wenn der Hund trotzdem nicht fressen will, lohnt sich eine gezielte Anpassung der Zusammensetzung. Hier meine fünf Lieblingsstrategien:

1. Nass-Trocken-Mix: Duft und Wärme machen’s

Trockenfutter mit warmem Wasser (ca. 40 °C) einweichen und mit etwas Brühe oder Saft vom Nassfutter mischen – der Duft weckt selbst bei mäkeligen Hunden den Appetit.

Empfohlene Kombination:

• 70 % hochwertiges Trockenfutter
• 10 % gekochte Hühnerbrühe
• 10 % Karottenpüree
• 5 % fermentiertes Ziegenmilchpulver
• 5 % Lachsöl

2. Frischfutter-Ergänzung: Natürlich und nährstoffreich

Etwas gekochtes Fleisch (z. B. Huhn, Ente, Fisch), pürierter Kürbis oder Süßkartoffeln und ein gekochtes Eigelb können Wunder wirken – solange man nicht übertreibt (max. 30 % der Gesamtmenge).

3. Temperaturkontrast: Je nach Jahreszeit

Im Sommer mag mein Loki Futter lieber leicht gekühlt, im Winter bevorzugt Luna warmes, duftendes Essen. Die Temperatur macht einen größeren Unterschied, als man denkt.

4. Belohnungsprinzip: Reihenfolge ändern

Erst das Trockenfutter servieren – wenn das gefressen wurde, gibt’s ein kleines Stück Fleisch als „Belohnung“. So lernt der Hund: Erst die Pflicht, dann die Kür.

5. Themen-Tage für Abwechslung

Einmal pro Woche gibt es bei mir den „Fleischbällchentag“ oder den „Fischtag“. Das schafft Vorfreude, ohne den Hund zu verwöhnen oder tägliche Gourmetmenüs zu verlangen.

5. Dranbleiben lohnt sich: Drei Wochen zur neuen Fressgewohnheit

Meiner Erfahrung nach dauert es rund drei Wochen, um das Fressverhalten eines Hundes erfolgreich umzustellen – vorausgesetzt, er ist gesund. In dieser Zeit ist Konsequenz das A und O:

1. Feste Fütterungszeiten

Zweimal täglich mit etwa acht Stunden Abstand hat sich bei meinen Hunden bewährt.

2. Snacks reduzieren

Leckerlis nur bei Training oder Spaziergang und in den Tagesbedarf einrechnen.

3. Limitierte Fresszeit

20 Minuten Zeit fürs Fressen – wenn der Napf danach noch voll ist, einfach kommentarlos wegnehmen.

4. Protokoll führen

Ich dokumentiere, was gefressen wurde und wie die Reaktion war – so finde ich schnell die besten Kombinationen heraus.

5. Beziehung pflegen

Futter darf kein Machtspiel sein, sondern ein Teil der Bindung. Der Hund soll sich auf die Mahlzeit freuen, nicht unter Druck gesetzt werden.

Luna hat am Anfang fast zehn Tage gebraucht, um sich auf die neue Routine einzulassen. Aber ab Tag 11 fraß sie regelmäßig, ohne zu zögern – eine echte Erleichterung.

Fressen ist mehr als Ernährung – es spiegelt die Beziehung wider

Für Hunde ist Fressen nicht nur Nahrungsaufnahme. Es ist Ausdruck von Vertrauen, Sicherheit und emotionaler Stabilität. Wenn wir bereit sind, zuzuhören, zu beobachten und uns in die Bedürfnisse unserer Vierbeiner einzufühlen, können selbst die größten Futterverweigerer zu genussvollen Essern werden.

Heute drehen sich Loki und Luna voller Vorfreude im Kreis, sobald ich den Napf in die Hand nehme. Luna setzt sich sogar ganz ruhig vor ihren Fressplatz und wartet auf mein Zeichen: „Guten Appetit!“ Diese kleinen Rituale, die wir gemeinsam entwickelt haben, zeigen mir, dass aus einstigen Fütterungskrisen eine tiefe Verbindung entstehen kann – voller Geduld, Respekt und Liebe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert